Disruptive, Agile, MVP – Wie Unternehmen mit Showeinlagen scheitern

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Das Jahr 2018 ist vorbei. Vorweg: Es war für meine Unternehmung – das MUNICH DIGITAL INSTITUTE – das erfolgreichste bisher. Wir haben alle Ziele erreicht bzw. übererfüllt. Unser Geschäftsmodell geht auf. Es gibt also keinen Grund für mich für Groll und somit eine persönliche Abrechnung.

Ich nehme aus diesem Jahr aber mit, warum Unternehmen so häufig scheitern bei neuen Modellen. Alle wollen disruptiv sein, ab jetzt agile, wollen wie Softwareentwickler ticken. Doch so sehr sie sich auch coachen lassen für agile Methoden, so sehr alle ihre Kurse für das Projektmanagement der modernen Art machen – es bringt wenig Ergebnisse. Ganz viele Dinge scheitern. Warum?

Ich glaube, es ist ganz einfach: Die wenigsten Verantwortlichen denken unternehmerisch. Und damit ist das Scheitern unausweichlich. Es folgen drei Prinzipien für unternehmerisches Handeln, die Basis für Erfolg sind:


Sei fair und loyal Deinen Partnern gegenüber

Als Unternehmer achte ich darauf, meine Geschäftsverhältnisse fair zu gestalten. Partner müssen sich auf mich verlassen können, ich möchte mich auf Partner verlassen können. Die Branche ist so groß nicht, der Ruf schnell ruiniert, auch mit Blick auf attraktive Mitarbeiter. Unternehmen agieren mit vielen Dienstleistern aber nicht wie Partner, sondern eben wie… Dienstleister. Motto: Ich zahle Dich, Du hast mir zu folgen. Ich verschiebe, lege auf Eis oder stampfe ein, muss ich Dir nicht mal sagen. Kann man so machen. Ich als Unternehmer hätte Angst davor, zukünftig die besten Partner zu verlieren.

Dies ist übrigens der Grund, warum so viele Menschen aus Unternehmen, die auf die Dienstleisterseite wechseln, scheitern. Sie kommen aus dem Befehlsmodus nicht raus. Die Zeiten sind vorbei.


Echte Betriebsmodelle, keine Show-Einlagen

Ich habe in den letzten drei Jahren bei mehreren Unternehmen gesessen, die völlig neue Ansätze verfolgen wollten. Durchaus mit Budget ausgestattet. Da sitzen dann Verantwortliche und bezahlen dafür, dass ich Ihnen sage, dass sie mit ihrer Organisation und den Prozessen niemals erfolgreich sein werden. Dass sie dann lieber sofort konsequent sein sollten und das ganze stoppen. Nein, hieß es dann gerne. „Wir wollen ja neue Wege gehen, Sie sollen uns dabei helfen!“

Doch Hilfe geht häufig nur bis zum schlauen Berater-Chart. Dann ist meistens Schluss. Nichts wird verändert. Die Projekte werden trotzdem weiter vorangetrieben, der Druck wird wöchentlich höher. Du merkst als Berater, dass der Druck an Dich weitergegeben wird. Die ersten Fragen kommen, warum das jetzt alles so wenig Struktur hätte und nicht vorwärts kommt. Der Verweis auf den Punkt, das Projekt von Beginn an anders aufzusetzen, zählt nicht mehr. Ergebnis: In 3 von 4 Fällen (geschätzt) bekommen der oder die Verantwortliche so viel Angst, dass das Thema am Ende stirbt. Sechsstellige Summe in den Sand gesetzt, Personal vergrault. Null Ergebnis.

Die meisten Angestellten von Unternehmen juckt das nicht, da sie am Ende gerade noch dafür sorgen, die eigene Position nicht zu gefährden. Nur es gibt eben kein Ergebnis, stattdessen vergeudete Ressourcen.

Jeder Unternehmer müsste sicherstellen, dass er eine Organisation, ein Betriebsmodell findet, in dem zumindest die Wahrscheinlichkeit hoch ist, am Ende ein Ergebnis zu bekommen. Wollen Unternehmen auf die Spur von Start-Ups, dann sollten sie sich dies vergegenwärtigen.


Überzeugt sein. Konsequent denken. Nachhaltig handeln.

Ich denke, den meisten Verantwortlichen fehlt die eigene Überzeugung. Jeder Unternehmer lebt davon, diese eigenen Überzeugungen zu haben, sie verwirklichen zu wollen, auch gegen Widerstände. Dieses intrinsische Handeln sorgt dafür, Ressourcen und Maßnahmen allein an den Überzeugungen auszurichten. Nicht blind, aber eben konsequent.

Heute brauchen Unternehmen diese Konsequenz genau so wie in den Anfangsjahren ihrer Existenz. Wenn man in neue Märkte will, völlig neue Modelle probiert, neue Produkte entwickelt, neue Zielgruppen erschließt, dann gibt es ganz viele Hürden. Nichts ist mehr planbar, nicht wirklich gelernt oder schon bewiesen. Die Ängste, dass was schief geht, nicht funktioniert, jemand anders das besser kann – all diese Ängste sind immer die Begleiter. Unternehmer kennen das, es begleitet sie durchweg. Erfolgreich sind die, die mit diesen Ängsten umgehen können, sie in positive Überzeugung wandeln, Menschen hinter sich versammeln können, Dinge ändern, wenn sie nicht mehr funktionieren.

Unternehmer müssen von da an konsequent denken und nachhaltig handeln. Die richtigen Leute an Bord holen, die richtigen Partner involvieren, den nötigen Fokus intern setzen und entsprechend priorisieren. Und da es am Ende darum geht, aus der Überzeugung Umsatz und Gewinn zu machen, ist die Nachhaltigkeit schon mitgedacht. Nur ein Go-Live zu präsentieren, um sich den Bonus abzuholen oder die nächste Beförderung zu sichern, ist für Unternehmer kein Motiv. Es geht um den nachhaltigen geschäftlichen Erfolg.

Vielen angestellten Unternehmensentscheidern von heute geht diese nachhaltige Denke ziemlich ab. Man hat Budget, man hat ein Projekt platziert, man muss was liefern. Ob das lange hält, ob es zum geschäftlichen Erfolg beiträgt – meistens egal.


Conclusio:

Es gibt für Unternehmen in meinen Augen aktuell zwei Wege: Entweder bauen sie sich für neue, digitale Projekte eigene Units, die unabhängig vom Dickschiff rein mit Blick auf die Kundenerwartung arbeiten. Oder sie geben diese Themen zu wesentlichen Teilen in die Hände von externen Partnern, die diese Organisation teilweise schon haben. Im Moment gehen viele den Mittelweg über Inhouse-Agenturen. Hier dürfte entscheidend sein, wessen Kultur und Struktur sich am Ende durchsetzt. Ich befürchte, es wird immer das Mutter-Dickschiff sein. Wir bei MUNICH DIGITAL haben in 2018 die Erfahrung gemacht, dass der Aufbau von eigenen Betriebseinheiten auch für Unternehmen interessant ist, die uns eigentlich eher mit Beratung oder Produktentwicklung beauftragen. Die Gründe habe ich oben benannt.

2019 wird spannend. Denn die Frage wird genau sein: Wer hat den Mumm und die Konsequenz und meint es wirklich ernst. Wer weiter nur auf Showeinlagen setzt, wird an Boden verlieren.

Christian Henne
Gelernter Journalist. Heute Digital Business. Speaker & Medienpartner. Strategieberater. Unternehmer. München.
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